Liebe Martina,
Erstellt am 01. Apr, 2011 von admin in Briefe
die Umstände, unter denen wir uns kennengelernt haben waren nicht gerade die erfreulichsten, dennoch bin froh, in dieser schwierigen Phase meines Lebens, eine Freundin wie Dich gefunden zu haben. Sicher, auch die meisten anderen auf Station, ich denke da vor allem an Gabi, Matthias und Eva, sind wirklich tolle Menschen, aber zu Dir habe ich der kurzen Zeit das meiste Vertrauen aufbauen können.
Es ist ja schon komisch, dass wir erst soweit unten in unserem Leben ankommen mussten, um Menschen zu finden, die ähnliche Schwierigkeiten haben und deshalb viel mehr Verständnis für die Sorgen aufbringen als unsere „normalen Freunde“. Jetzt, da es mir besser geht, bin ich eigentlich ganz froh, auch mal so einen Erfahrung in meinen Leben gemacht zu haben. Ich weiß auf jeden Fall, dass ich nicht noch einmal so lange warten würde, bis ich mir professionelle Hilfe hole. Natürlich wünsche ich mir, dass es weder bei mir, noch bei Dir, noch bei einem der anderen jemals wieder so weit kommt.
Bei unserem Telefonat gestern hast Du Dich richtig gut angehört – so optimistisch! Wie Du von Deiner Kleinen erzählt hast, war richtig erfrischend. Erinnerst du Dich, auf Station hast Du immer nur davon gesprochen, dass Du das alles nicht mehr schaffst, Dich am liebsten den ganzen Tag in einem dunklen Raum verkriechen möchtest und nicht mehr die Kraft hast, Deine Tochter zum Kindergarten zu bringen oder gar etwas Vernünftiges zu kochen und mit ihr zu spielen. Und gestern hast Du in schillerndsten Farben von Eurem Besuch auf dem Spielplatz erzählt und dass Ihr sogar jetzt schon die ersten Weihnachtsplätzchen backen wollt, dabei werden die Blätter doch gerade erst bunt …
So, ich muss jetzt los, Du weißt schon, zu meinem Date!!!!
Ich freu mich schon, wieder von Dir zu hören!
Deine Katrin
